Maurice Bavaud Gedenkinitiative
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Schweizer Bundespräsident hat am Freitag den 7. November 2008 den von den Nazis getöteten Maurice Bavaud gedacht.

Die Neue Züricher Zeitung vermeldet:

Couchepin gedenkt Hitler-Attentäter Maurice Bavaud

und gesteht mangelnden Einsatz Schweizer Behörden vor 70 Jahren ein.  Der Schweizer Diplomat habe damals das Attentat auf Hitler als verabscheuungswürdige Tat eingeordnet und sich geweigert den Schweizer Bürger zu besuchen und sich für ihn einzusetzen.

 

 

Wer war Maurice Bavaud?

Der junge 22-jaehrige Schweizer Theologiestudent Maurice Bavaud aus Neuchatel in der franzoesisch sprechenden Schweiz versuchte am 9. November 1938 in Muenchen von der  Ehrentribuene an der Feldherrenhalle Adolf Hitler zu beseitigen. Es misslang. Er unternahm noch weitere Attentatsversuche.

Seine Beweggruende

Aus seiner geistig-religioesen Haltung heraus sah er Hitler als eine Gefahr fuer die Menschheit, die Christenheit, somit den Fortbestand der Kirche und einer unabhaengigen Schweiz gefaehrdet.
Nach seiner Verhaftung, wegen Nutzens der Eisenbahn ohne gueltigen Fahrschein und Besitzes einer Waffe, wurde er in Augsburg der Gestapo uebergeben und nach Berlin ueberstellt. Am 18. Dezember 1939 verurteilte ihn der Volksgerichtshof zum Tode. Nach 30 Monaten in Einzelhaft erfolgte am 14. Mai 1941 in Berlin-Ploetzensee die Hinrichtung.

Pressemitteilung:

 

 

 

Maurice Bavaud zum 90. Geburtsgedenktag

Maurice Bavaud, ein frankophoner Schweizer und katholischer Missionarstudent, war der einzige Auslaender, der durch einen Anschlag Hitler aus der Welt schaffen wollte. Das war im Jahr 1938. Ein Jahr vor Georg Elser.

Am 3. Oktober reist er mit unbekannter Bestimmung von seiner Heimatstadt Neuchatel ab. 14 Monate spaeter steht er bleich, aber gefasst vor der Nazi-Justiz am Volksgerichtshof in Berlin.

Bavaud wurde am 12. November von der Bahnpolizei aufgriffen und der Gestapo uebergeben.

Bavaud gibt zu, auf seiner Reise durch Deutschland (es war in den Tagen der Reichspogromnacht) hinter Hitler her gewesen zu sein, um den "Fuehrer“ mit einem Pistolenschuss auszuschalten.

Bavauds Beweggruende: Er habe es getan, weil Hitler eine Gefahr waere fuer die Christenheit, die Menschheit und die Unabhaengigkeit der Schweiz. Vor allem aber aus religioesen Gruenden, naemlich weil jener die katholische Kirche und katholische Organisationen unterdruecke.

 

Die Nazirichter verhoehnen den (wie dieser zugibt aus eigenem Entschluss handelnden) Einzeltaeter als religioes-politischen, vom Gangstertum des politischen Katholizismus inspirierten Fanatiker, der dem deutschen Volk seinen Retter, dem 80 Millionen deutscher Herzen in unendlicher Liebe, Verehrung und Dankbarkeit entgegenschlagen wuerden, haette nehmen wollen.

Am 18. Dezember 1939 wird er zum Tode verurteilt und nach 30 Monaten Einzelhaft - davon 18 im Todestrakt in Berlin-Ploetzensee am 14. Mai 1941 auf der Guillotine hingerichtet.

Maurice Bavaud ist in seinem offenen Bekenntnis  vor seinen Richtern durchaus vergleichbar mit einer Sophie Scholl, die vom Volksgerichtshofpraesidenten Freisler auf ihre Tat angesprochen, erklaert: "Was wir gesagt und geschrieben haben, denken ja so viele, nur wagen sie nicht, es auszusprechen.“

 

In der Ausstellung der Gedenkstaette Deutscher Widerstand in Berlin wird der junge Neuenburger/ Neuchatel auf einer Schautafel mit Portraet geehrt. Hier steht er mit seinem versuchten Anschlag auf das Leben Hitlers neben dem Schreiner Georg Elser und den Maennern des 20. Juli 1944.

 

Hellmut Haasis, Elser-Biograph und  Mitglied der Gedenkinitaitive Maurice Bavaud, wuerdigte ihn als:

"eine Gestalt des absolut fordernden Gewissens, auch wenn zur Durchfuehrung der Befreiungstat nur unzureichende Mittel zur Verfuegung stehen". Haette Bavaud gewonnen, waere dem Judentum die Shoa erspart geblieben, denn nur wenige Stunden, nachdem am 9. November 1938 Bavaud beim Gedenktag der Putschisten nicht zum Schuss gekommen war, brach die Reichspogromnacht aus, der Auftakt zum Millionenmord.

 

Am 15. Januar 2006 gedenken wir des 90. Geburtstages von Maurice Bavaud, um an seine Widerstaendigkeit zu erinnern und dem drohenden Vergessen zu entreissen:

 

Berlin, den 12.1.06

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Die Berliner Gedenkinitiative Maurice Bavaud arbeitet mit dem Schweizer Comité Maurice Bavaud (CMB) und den unterstützenden Einzelpersonen zusammen

Aus Friz Zeitschrift für friedenspolitik
Nebengedanken

Er wollte Hitler töten

Von Peter Spinatsch

Im November dieses Jahres war es 60 Jahre her, dass der Neuenburger Theologiestudent Maurice Bavaud in München ein Attentat auf Hitler verüben wollte. Es gelang ihm nicht, nahe genug an den Nazi-Diktator heranzukommen, um den geplanten Pistolenschuss auch tatsächlich abgeben zu können. Er wurde einige Tage später verhaftet, gestand seine Attentatspläne, wurde zum Tode verurteilt und am 14. Mai 1941 im Gefängnis Berlin-Plötzensee mit der Guillotine hingerichtet.

Maurice Bavaud war das älteste von sieben Kindern einer katholischen Familie aus Neuenburg. Nach einer Lehre als technischer Zeichner war er drei Jahr im Seminar für Spätberufene der Väter vom Heiligen Geist in Saint-Ilan in der Bretagne. Ohne Mitteilung verreiste er an einem Septembersonntag im Jahre 1938 nach Deutschland, kehrte nach einem Aufenthalt bei Verwandten in Baden-Baden zurück nach Basel, um sich eine Pistole zu kaufen, reiste weiter nach Berlin und anschliessend nach München. Beim Gedenkmarsch der Nazi-Elite für den Putsch vom 9. November 1923 in München hatte er sich als "Nazi-Sympathisant" einen Platz auf der Ehrentribüne bei der Heiliggeistkirche erschlichen, aber war doch zu weit weg von Hitler, um einen erfolgreichen Schuss abgeben zu können. In den kommenden Tagen versuchte er noch an verschiedenen Orten hartnäckig, an den Diktator heranzukommen. Bei der Rückreise am 12. November 1938 wurde er im Zug der Bahnpolizei übergeben, weil er keine Fahrkarte hatte. Man fand die Pistole und belastende Dokumente bei ihm.

Über ein Jahr verbrachte er in Untersuchungshaft. Am 18. Dezember 1939 wurde er vom NS-Volksgerichtshof in Berlin für seine Attentatspläne zum Tode verurteilt. Er hatte gestanden, dass er Hitler beseitigen wollte ein Plan, den er allein aus sich heraus gefasst hatte. Als Beweggründe nannte er gemäss Protokoll der Hauptverhandlung: "auf Grund dessen, was er in fast der gesamten schweizerischen Presse gelesen und was er weiter von aus Deutschland emigrierten Angehörigen von katholischen Orden erzählt bekommen habe, halte er die Perönlichkeit des deutschen Führers und Reichskanzlers für eine Gefahr für die Menschheit, vor allem auch für die Schweiz, deren Unabhängigkeit der Führer bedrohe. Vor allem aber seien kirchliche Gründe für seine Tat bestimmend gewesen, denn in Deutschland würden die katholischen Kirchen und die katholischen Organisationen unterdrückt und er habe daher geglaubt, mit seiner geplanten Tat der Menschheit und der gesamten Christenheit einen Dienst zu erweisen."

Es folgten nochmals lange Monate grausamer Einzelhaft im Todestrakt und immer wieder neue Verhöre über ein mögliches Komplott im Hintergrund, bis er am 14. Mai 1941 von der Nazijustiz ermordet wurde. Der Kontakt mit seinen Eltern und Geschwistern blieb auf einige wenige Briefe beschränkt. Bavauds Abschiedsbrief gibt Zeugnis von einer moralisch ungebrochenen Persönlichkeit und von einem starken, in authentischer religiöser Tradition verwurzelten Glauben.

Ein düsteres Kapitel ist das Verhalten der damaligen Schweizer Behörden im besonderen von Botschafter Frölicher , die dem Inhaftierten jeglichen Beistand verweigerten, die Angehörigen täuschten und den Vorschlag zu einem Austausch mit in der Schweiz gefangenen deutschen Spionen nicht einmal in Erwägung ziehen wollten.

In einer Würdigung dieses Attentatsversuches erklärte der Bundesrat am 1. April dieses Jahres: "Maurice Bavaud hat möglicherweise geahnt, welches Verhängnis Hitler über die Welt und namentlich Europa bringen würde. Er gehört zum Kreis jener Personen, welche leider vergeblich versucht haben, dieses Unheil zu verhindern. Dafür verdient er Anerkennung und einen Platz in unserem Gedächtnis."

Peter Spinatsch ist Redaktor der Zeitschrift "Offene Kirche" und Mitglied des "Comité Maurice Bavaud".


Medienbeitraege

A) Geschichte in Augenblicken vom 28.12.2005, 12.40 Uhr
Maurice Bavaud
Ueber 40 mal versuchten Gegner des NS-Regimes durch ein Attentat auf Adolf Hitler, die Nazi-Diktatur zu Fall zu bringen. Zu denen, die Hitler toeten wollten, gehoerte auch der Schweizer Maurice Bavaud. Sein Fall beschaeftigte Deutsche und Schweizer auch noch nach 1945...
 
http://www.radioeins.de/_/beitrag_jsp/key=beitrag_67835.html

B) Pfarrblatt Bern Nr. 3 vom 12. Januar 2006

Schweizer Theologe fordert Aufnahme von Maurice Bavaud ins Martyrologium
http://www.kathbern.ch/index.php?na=111,1,0,53923,d

 


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